Autonome Mobilität: wie der Sprung vom Pilotprojekt in den Regelbetrieb gelingt

Rund 70 Mobilitätsexpert:innen diskutieren beim Lex Mobilis Kongress in Hamburg rechtliche und regulatorische Rahmenbedingen für den flächendeckenden Betrieb von autonomen Fahrzeugen.

Pressemitteilung

Hamburg, 2. September 2026. Die Einführung des automatisierten Fahrens ist in den vergangenen Monaten deutschland- und europaweit deutlich vorangeschritten. In zahlreichen Städten und Regionen sind Pilotprojekte gestartet, die automatisierte Fahrzeuge insbesondere im ÖPNV und der Logistik zum Einsatz bringen – und in gelebter Praxis zeigen, wie digitale Technologien, Automatisierung und Vernetzung das Mobilitätsangebot verbessern und erweitern können. Damit der Sprung vom Einzelprojekt in den dauerhaften Regelbetrieb gelingt, braucht es jedoch mehr als erprobte Technologien. Im Haus des Sports diskutieren rund 70 Mobilitätsexpert:innen aus verschiedenen Fachrichtungen, wie praxistaugliche, rechtssichere und übertragbare Betreiberkonzepte für autonome Fahrzeuge aussehen. 

Lex Mobilis ist der Titel des neuen internationalen Fachforums, zu dem Vertreter:innen von Bundes- und Landesbehörden, Verbänden, Forschungseinrichtungen, Verkehrsverbünden und -unternehmen, Automobilherstellern und -zulieferern, Technologieanbietern, Innovationszentren, Kanzleien und Beratungsunternehmen zusammengekommen sind. Wie der Name nahelegt, geht es beim Kongress vor allen Dingen darum, rechtliche und regulatorische Fragestellungen der autonomen Mobilität zu diskutieren. Sprich, unter welchen Rahmenbedingen automatisierte Fahrzeuge wo zum Einsatz kommen, wie die Gesetzeslage, Zulassungs- und Genehmigungsprozesse aussehen, welche Standards gelten – und welche Schritte erforderlich sind, damit automatisierte Fahrzeuge in Zukunft flächendeckend im Alltag zum Einsatz kommen können.

Beim Lex Mobilis Kongress stehen dazu Impulsvorträge, Paneldiskussionen und Fachvorträge mit hochrangigen Gästen, darunter Hamburgs Senator für Verkehr und Mobilitätswende Dr. Anjes Tjarks, der Präsident des Kraftfahrt-Bundesamtes Richard Damm, der Leiter der Koordinierungsstelle Vernetztes und Automatisiertes Fahren beim VDA Henry Kuhle, und Regierungsdirektor Tom Michael Gasser von der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen auf dem Programm.

Die Ausgangslage für die fachübergreifende Diskussion: Dank intensiver Forschungs- und Entwicklungsarbeiten der letzten Jahrzehnte ist das automatisierte Fahren mitsamt den stützenden Technologien zur Umfelderkennung, Vernetzung, Datenverarbeitung und Steuerung zur Marktreife entwickelt. Aktuelle Pilotprojekte erproben Anwendungsfälle für hochautomatisierte Fahrzeuge, die in festgelegten Betriebsbereichen selbstständig navigieren, insbesondere im öffentlichen Verkehr. Hier können zum Beispiel autonome Linienfahrzeuge, On-Demand Shuttles oder Robotaxis das Mobilitätsangebot erweitern, bislang wenig angebundene Gebiete erschließen, die Barrierefreiheit stärken und helfen, Personalengpässe zu überwinden.

Während im automatisierten Fahren bereits jetzt großes Potenzial für die Verkehrswende gesehen wird, steht die großflächige Einführung noch vor einer Reihe von Herausforderungen. Es gilt, einen klaren Rechtsrahmen zu schaffen, Zulassungs- und Genehmigungsprozesse zu vereinheitlichen, Rollen und Verantwortlichkeiten von Herstellern, Haltern und Betreibern automatisierter Fahrzeuge zu definieren, Haftungsfragen zu klären sowie in einzelnen Ländern geltende Vorschriften und Standards europaweit zu harmonisieren. Und nicht zuletzt braucht es wirtschaftlich tragfähige und praxistaugliche Betreiberkonzepte, in denen sich autonome Fahrzeuge sinnvoll in ein bestehendes Mobilitätssystem integrieren – nur so erlangen sie auch die nötige gesellschaftliche Akzeptanz.

 „Für all diese Fragestellungen, die mit dem Regelbetrieb autonomer Fahrzeuge verbunden sind, lassen sich nur sinnvoll Lösungsansätze entwickeln, wenn Fachexpert:innen aus verschiedenen Disziplinen miteinander ins Gespräch kommen“, beschreibt Steve Schneider, Geschäftsstellenleiter des ITS mobility e. V., die Idee hinter dem Lex Mobilis Kongress. Das größte Kompetenzcluster für intelligente Mobilität in Deutschland vernetzt seit fast 30 Jahren Wissenschaft und Wirtschaft, Verbände, Städte und Expert:innen zu Leitthemen der intelligenten Mobilität. Es richtet den Lex Mobilis Kongress gemeinsam mit triverra als international aufgestelltem Vernetzungspartner aus. „Wir wollen Impulse setzen, um autonome Mobilität nicht nur als Fahrzeugtechnologie, sondern als ein Gesamtsystem zu denken“, ergänzt triverra-Geschäftsführer Wolfgang Höfs.

Hamburg ist mit Lex Mobilis zum wiederholten Male Gastgeber für einen internationalen Mobilitätskongress, bei dem sich führende Fachleute und Entscheidungsträger:innen aktiv über die zukünftige Gestaltung der Mobilität austauschen. Mit mehr als 150 laufenden Projekten zu digitalen Mobilitätstechnologien, autonomem Fahren, vernetzter Verkehrssteuerung und kooperativen intelligenten Verkehrssystemen (C-ITS) ist die Freie und Hansestadt einer der aktivsten Erprobungsräume für neue Mobilitätsformen in Europa. Die umfangreichen Erfahrungen aus dem Realbetrieb digitaler, vernetzter Mobilitätlösungen bringt die Freie und Hansestadt aktiv in die europäische Regulierungsdebatte ein und setzt so international Maßstäbe.

Diskutierten beim Lex Mobilis Kongress aktuelle Herausforderungen für den zukünftigen Regelbetrieb von automatisierten Fahrzeugen (v. l.): Marc Evermann (Behörde für Verkehr und Mobilitätswende der Freien und Hansestadt Hamburg), Richard Damm (Kraftfahrt-Bundesamt), Stephan Koloßa (Technische Universität Braunschweig), und Steve Schneider (ITS mobility). © ITS mobility

Henry Kuhle (Verband der Automobilindustrie VDA), Hamburgs Senator für Verkehr und Mobilitätswende Dr. Anjes Tjarks, Kirstin Hegner (UnternethmerTUM) und Steve Schneider (ITS mobility, v. l.) tauschten bei der Podiumsdiskussion Perspektiven über rechtliche und regulatorische Fragestellungen der autonomen Mobilität aus. © ITS mobility

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